A svájci Zürichsee Zeitung tudósításai Duray Miklós letartóztatásáról (németül)

A svájci Zürichsee Zeitung két terjedelmes cikkben tudósított Duray Miklós letartóztatásáról, annak hátteréről és okairól.
Stäfa, Svájc, 1984. május 24 és július 31.

Schutzlose Minderheiten

in der CSSR

Die (Jogara kämpfen für ihre nationale Identität

Von unserem Osteuropa-Mitarbeiter Laszlo von Taubingcr

Auf Beschluss der tschechoslowakischen Bundesversammlung wird im Land ab 1. September dieses Jahres ein neues Schulgesetz in Kraft treten. Es soll, wie es in der offiziellen Begründung heisst, <<die feste Einheit von weltanschaulicher und fachlicher Bildung, politischer Reife und kommunistischer Moral gewährleisten>>. Das vom Parlament angenommene Gesetz legt die Schulpflicht aus zehn statt bisher neun Jahre fest. lm Gesetz fehlt allerdings jener Paragraph des Entwurfs, der auf die Eliminierung der Schulen der nationalen Minderheiten abgezielt hatte.

Kernpunkt des geplanten Paragraphen war eine Vollmacht für das slowakische Ministerium für Schulfragen, im Einvernehmen mit den territorialen Ausschüssen die Genehmigung zu erteilen, dass auf Wunsch der Eltern in den Nationalitätenschulen künftig die meisten Fächer anslatt auf ungarisch in slowakischer Sprache vorgetragen werden.

Die Ungarn geschlossen dagegen

Gegen diese Pläne haben sich die in der Slowakei lebenden 600000 Ungarn geschlossen aufgelehnt. Ihr mutiger Fűrsprecher, der 38jährige Geologe und Schriftsteller Miklós Duray, dessen Prozess im Februar 1983 weltweit grosses Aufsehen erregt hat, richtete einen auch im Westen bekannt gewordenen Beschwerdebrief an Staats- und Parteichef Gustav Husak. Es entstand spontan eine Gruppe zum Schutz der ungarischen Schulen, die zahlreiche Flugblätter verteilt und zum Protest aufgerufen hat. Auch wurde die ungarische Regierung und Parteiführung, unter anderen Parteichef Janos Kadar und ZK-Sekretár György Aczel, über die Ereignisse informiert.

Aufgrund der zunehmenden Protestbewegung musste die Sitzung des slowakischen Nationalrats, an der der Gesetzesentwurf verabschiedet hätte werden sollen, dreimal vertagt werden. Inzwischen nahm auch das Zentralkomitee des Kulturvereins der in der Tschechoslowakei lebenden Ungarn gegen den geplanten Gesetzes-entwurf geschlossen Stellung, obwohl die Organisation dazu kein Recht gehabt hat. Neben dem landesweiten Protest der Ungarn trug zur Streichung des Paragraphen auch der Besuch des Ministerpräsidenten der tschechoslowakischen Bundesregierung, Lubomir Strougal, in Budapest bei, wo er äusserst kühl empfangen worden war. Zwischen Prag und Budapest bestehen bereits seit längerer Zeit ernste wirtschaftspolitische, ideologische und aussenpolitische Meinungsverschiedenheiten. Diese Beziehungen wurden durch die Nationalitatenpolitik der slowakischen Regierung noch mehr belastet. Dass diese Frage beim Besuch zur Sprache kam, konnte man auch daraus ersehen, dass Strougal auf seiner Rückreise nach Prag diese in Bratislava unterbrochen und der slowakischen Regierung vorgeworfen hat, durch den Schulgesetzentwurf die Atmosphäre zwischen den beiden Ländern noch mehr belastet und seine Verhandlungen mit Ungam erschwert zu haben.

Nach diesem Intermezzo leitete die slowakische politische Polizei eine Einschüchterungskampagne gegen die ungarische Minderheit ein. So wurde Duray unter begrenzten Hausarrest gestellt. Am 15. März zwang ihn die Polizei, Bratislava zu verlassen und den Tag in einer mittelslowakischen Stadt zu verbringen, da die Behörden es verhindern wollten, dass er an einer Feier der ungarischen Jugend teilnimmt. Auch bei anderen Vertretern der ungarischen Minderheit führte die Polizei verschiedene Schikanen und Hausdurchsuchungen durch. Doch konnte all dies die Protestbewegung nicht brechen.

Ein Pyrrbussieg?

Wie aus der Slowakei nun zu erfahren ist, ist der Sieg der Minderheit in der Schulfrage nur als vorübergehend zu betrachten. Es wird befürchtet, dass die Regierung, wie dies Unterrichtsminister Busa angedeutet hatte, ihr Ziel durch andere Massnahmen, wie die weitere Einschränkung der bereits eingeengten Tätigkeit der ungarischen Lehrerbildungsanstalt, zu erreichen versuchen wird. Der Hauptideologe der slowakischen KP, Ludovit Pezlar, forderte erst kürzlich die Erziehung der gesamten Bevölkerung zum <<tschechoslowakischen Patriotismus>>.

Staats- und Parteichef Husak trat selbst in einer im März vor slowakischen Parteifunktionären und Pressevertretern gehaltenen Rede dafür ein, dass die nationalen Minderheiten <<in ihrem eigenen Interesse>> mit der Mehrheit assimiliert werden und berief sich dabei auf Lenin. In diesem Sinn erliess die slowakische Regierung kürzlich eine Verordnung, die verbietet, für Ortschaften in der Slowakei ihren ungarischen Namen zu verwenden. Auch wurden Forderungen laut, den Empfang des Programms von Radio Budapest in der Slowakei künftig zu stören. So rechnen die Vertreter der Volksgruppe mit schweren Zeiten und weiteren Kampfen zür Bewahrung ihrer nationalen Identitát.

Zűrichsee Zeitung 1984. május 24

 

Ein Fall, den Prag verbergen will Ungewisses Schicksal eines Vertreters der Ungarn in der Tschechoslowakei

Von unserem Osteuropa-Mitarbeiter Laszoó von Taubinger

Vom Schicksal des am 10. Mai von der tschechoslowakischen Geheimpolizei in Bratislava verhafteten Vertreters der in der Slowakei lebenden 600000 Ungarn, Miklós Duray, ist noch immer nichts Näheres bekannt. Die Behörden verweigern sowohl seiner Frau als auch seinem Anwalt jede Auskunft und gestatten ihnen nicht, den Inhaftierten zu besuchen. Inzwischen richteten 38 Mitglieder des amerikanischen Kongresses, die von dem Fall erfahren haben, ein Schreiben an Staats- und Parteichef Husak und forderten ihn auf, die Freilassung Durays unverzüglich zu veraalassen. Sie beriefen sich dabei auf jene internationalen Verträge, in denen sich auch die tschechoslowakische Regierung zür Achtung der Menschenrechte verpflichtet hat.

Der 1944 geborene Geologe und Schriftsteller Duray war 1968 während des kurzlebigen Prager Frühlings einer der Führer der später verbotenen ungarischen Jugendbewegung in der Slowakei. Gegen die zunehmende Unterdrückung gründete er 1978 das “Komitee für den Schutz der Rechte der ungarischen Minderheit in der CSSR>> und schloss sich danach auch der Charta 77 an. Die Tätigkeit Durays verlief stets im Rahmen der Gesetze. Er forderte nichts anderes als die Achtung der in der Verfassung garantierten Rechte der in der CSSR lebenden nationalen Minderheiten. Nach standigen polizeilichen Schikanen wurde Duray das erste Mai am 10. November 1982 wegen <<umstürzlerischer Tätigkeit und bürgerlichem Nationalismus>> verhaftet. Sein Prozess begann am 30. Január 1983. Auf Druck der Weltöffentlichkeit wurde schliesslich das gegen ihn geführte Verfahren auf unbestimmte Zeit vertagt und Duray ohne Freispruch auf freien Fuss gesetzt. Seitdem lebte er in ständiger Rechtsunsicherheit.

Ausgangspunkt seiner jüngsten Aktivität war der Plan der slowakischen Regierung, die ungarische Unterrichtssprache in den Schulen der Minderheiten durch ein neues Schulgesetz abzuschaffen. Daraufhin startete Duray eine Aufklärungskampagne, in deren Folge Zehntausende in der Slowakei lebende Ungarn in einem mit ihren Unterschriften versehenen Schreiben bei der slowakischen Regierung gegen den Gesetzesentwurf protestiert haben. Die Aktion hatte Erfolg. Das Gesetz wurde nach zweimaliger Verschiebung Anfang April ohne die beanstandeten Paragraphen verabschiedet. Doch betonte der slowakische Unterrichtsminister Juraj Busa, dass die Behörden Mittel und Wege finden würden, den vorgesehenen Plan aussserhalb des Gesetzesrahmens zu verwirklichen.

Duray wurde bald darauf am 10. Mai verhaftet. Es soll ihm aufgrund der Paragraphen 112 und 119 des Strafgesetzes wegen <<staatsfeindlicher Tätigkeit>> und <<Verbreitung falscher, das Ansehen der Republik gefährdender Informationen>> der Prozess gemacht werden. Das Gesetz sieht für diese Vergehen eine Gefängnisstrafe bis zu acht Jahren vor. Gleichzeitig führte der Staatssicherheitsdienst bei mehreren bekannten Intellektuellen ungarischer Nationalität Hausdurchsuchungen durch. Einige unter ihnen mussten sich auch einem polizeilichen Verhör unterwerfen. Dem aus Ungarn in die Tschechoslowakei heimgekehrten Schriftsteller Lajos Grentel wurden an der Grenze seine mitgeführten Bücher, einschliesslich sein Adressbuch, von den slowa-kischen Zöllnern konfisziert.

Scheibchen um Scheibchen

Inzwischen begannen die Schulbehörden in den ungarischen Schulen eine Meinungsforschung durchzuführen. Schüler und Lehrer müssen unter behördlichem Druck Fragebögen über das Niveau des slowakischen Sprachunterrichts ausfüllen. Sollten die Schüler die slowakische Sprache nicht perfekt beherrschen, so muss der Unterricht in ungarischer Sprache eingeschränkt werden. Begründung: Die Regierung wolle der ungarischen Jugend zum Weiterstudium an den slowakischen Hochschulen die gleichen Chancen wie den Slowaken bieten. Der nächste Schritt war die Schliessung des Jugendklubs des ungarischen Kulturvereins.

All dies, besonders aber der Fall Duray löste nicht nur unter den in der Slowakei lebenden Ungarn sondem auch im Mutterland grösste Empörung aus. Nun richteten auf Initiative Miklós Meszölys mehrere bekannte Schriftsteller in Budapest einen Aufruf an die Bevölkerung, Regierung, Internationale und nationale Menschen-rechtsorganisationen, vor allem in Westeuropa, und forderten diese zu Protestaktionen auf, um Duray von der in der CSSR herrschenden Justizwillkür zu retten.

Zürichsee Zeitung 1984. július 31